#journalistsforfuture - oder welche Rolle spielen die Medien beim Klimanotstand?

Vom Klimawandel zur Klimakrise bis hin zum Klimanotstand – seit einigen Wochen ändert sich in den Medien (endlich) die Rhetorik, wenn es um die verheerenden Folgen fehlgeschlagener Klimapolitik, verschlafener deutscher Energiewende (Der Spiegel Titel „Murks in Germany“ 19/2019) oder die weltweit Millionen Schüler*innen geht, die jeden Freitag die Politik wach demonstrieren wollen. Bis jetzt war das Thema Klimanotstand für die Medien wenig relevant oder wurde teilweise völlig missachtet. Warum? Weil Berichte über Terroranschläge, Busunfälle mit mehreren Toten oder die Geburt eines britischen Prinzen, die Menschen (angeblich) mehr interessiert, als die Klimakatastrophe, die unser Leben und das der nächsten Generationen fundamental zum Negativen verändern wird? Weil die sich immer weiter zuspitzenden Zerstörungen, zu denen auch das dramatische Aussterben von Pflanzen- und Tierarten gehört, noch zu wenig greifbar sind, weil selbst wenn es wahrgenommen wird, entweder einfach weggeschaut oder als irgendwann reparabel angesehen wird?

Doch langsam startet eine Debatte unter Journalist*innen darüber, dass Journalismus die Pflicht hat, kritisch zu hinterfragen und Sachverhalte objektiv und anhand von Fakten, nicht von Meinungen, einzuordnen. Für all diejenigen, die es nicht können, weil ihnen dazu die Ressourcen und Informationsquellen fehlen. Eigentlich eine Selbstverständlichkeit. Vom Versagen des Umweltjournalismus zu sprechen ist einerseits richtig, anderseits stehen aber die Journalist*innen unter dem Verkaufsdruck der Verlagsleitenden. Und wirklich kritischer Journalismus ist kein gutes Anzeigenumfeld für Autohersteller, Energieversorger, Lebensmittelindustrie …

So fordert Ute Scheub in der taz (#Journalistsforfuture, 29.04.2019): „Wir brauchen einen kritisch-konstruktiven Journalismus, der seiner gesellschaftlichen Verantwortung gerecht wird, auf Sensationen und Gewaltfixierung verzichtet und eine gute Zukunft für alle vorbereitet.“ Ihren Vorschlag, anstatt der Minderheitenshow des Börsenberichts vor der Tagesschau – nur etwa 5 Prozent aller Deutschen besitzen Aktien – ökosoziale Erfolgsgeschichten zu senden, finden wir bei modem conclusa richtig gut! Denn es braucht Geschichten, die das Abstrakte greifbar machen. Ganz im Sinne des modem conclusa Leitmotivs 2019 „Make Sustainability Happen now!“. Dieser Meinung ist auch Lisa Neubauer, deutsche Aktivistin der #fridaysforfuture Bewegung. Sie fordert von Politikjournalisten in Die Zeit 20/2019 „Informiert euch“. Sie schreibt: „Die politische Elite konnte es auch deshalb vermeiden, inhaltlich klar Stellung zu beziehen, weil die Journalist*innen es zugelassen haben.“ Ja, denn wir haben auch einen Politik-Notstand!

JETZT haben die Medien die Chance, zu zeigen, was ihre Aufgabe als so genannte „4. Gewalt“ ist und welchen Mehrwert sie einer offenen Gesellschaft und Demokratie bringen. Anstatt neben Facebook, Instagram, Twitter & Co bei der Mehrheit der Bevölkerung und den jungen Generationen immer weiter in die Bedeutungslosigkeit abzudriften.


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