Frauen in der Landwirtschaft: Warum ihre Rolle sichtbarer werden muss
Frauen säen, ernten, verarbeiten, vermarkten und führen Betriebe. Trotzdem bleibt ihre Arbeit in der Landwirtschaft oft unsichtbar. Die Vereinten Nationen haben 2026 deshalb zum „Internationalen Jahr der Frauen in der Landwirtschaft“ erklärt.
Die Zahlen zeigen, wie viel noch zu tun ist. Laut der Welternährungsorganisation FAO verdienen Frauen in landwirtschaftlicher Lohnarbeit im Schnitt 18,4 % weniger als Männer. Führen Frauen einen gleich großen Betrieb wie Männer, erwirtschaften sie im Schnitt 24 % weniger. Das liegt nicht an fehlender Kompetenz, sondern daran, dass sie schwerer an Kredite, Saatgut, Maschinen und Beratung kommen. Würden diese Lücken geschlossen, könnte das globale BIP um rund eine Billion US-Dollar steigen und 45 Millionen Menschen weniger wären von Ernährungsunsicherheit betroffen.
Auch in Deutschland ist Gleichstellung auf dem Hof noch nicht selbstverständlich: Nur gut jeder neunte landwirtschaftliche Betrieb wird von einer Frau geleitet.
Im September haben wir uns deshalb in unserem internen Fokus-Monat damit beschäftigt, vor welchen Herausforderungen Frauen in der Landwirtschaft stehen und wer sich schon heute für mehr Gerechtigkeit einsetzt.
Erkenntnisse unseres Fokus-Monats
- Ein Großteil der Care-Arbeit auf dem Hof und in der Familie liegt bei Frauen. Gerade in der Landwirtschaft ist diese Arbeit für den Betrieb unverzichtbar und verdient finanzielle wie ideelle Anerkennung.
- Anlässlich des Aktionsjahres haben sich 14 deutsche Verbände und Organisationen zusammengeschlossen, darunter Bioland, Demeter, Naturland und der BÖLW. Gemeinsam haben sie acht Handlungsfelder definiert, von besserer sozialer Absicherung über Lohngerechtigkeit bis hin zu mehr politischer Teilhabe.
- Was man nicht misst, sieht man nicht: Eine Forderung des Zusammenschlusses ist eine geschlechterinklusive Agrarstatistik, die Besitzanteile, Hofübernahmen, Einkommen und Arbeitsbedingungen erfassen und damit Gleichstellungslücken sichtbar machen soll.
- Im Gespräch mit Julia Reimann vom Bio-Hof Chiemgaukorn wurde deutlich: Für den Weg in die Landwirtschaft braucht es Mut, Idealismus und Durchhaltevermögen. Ihr Rat an junge Frauen ist, die eigenen Stärken zu finden, statt Männer zu kopieren. Ihre Überzeugung: Eine weibliche Sicht auf die Landwirtschaft wird immer wichtiger.
- Netzwerke stärken: Das BioFrauen*netzwerk ist eine Gemeinschaftsinitiative, die 2018 mit dem Ziel gegründet wurde, Geschlechtergerechtigkeit innerhalb der Branche zu fördern. Es verbindet heute über 500 Frauen aus der Bio-Branche und fördert Austausch, Mentoring und Sichtbarkeit. Wir von modem conclusa sind seit 2019 dabei und unterstützen das Netzwerk seit 2025 als Teil des Kernteams.
